"Menschliche Werke können von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet werden und diejenigen, die von einem Standpunkt aus neu sind, sind von einem anderen aus nicht neu. Auf einem nicht neuen Baum, auf eine nicht neue Art und Weise, wachsen jeden Frühling neue Blätter. Ähnlich ist es mit den menschlichen Gebilden: was immer er macht, ist es auf irgendeine Weise demjenigen ähnlich, was vorher war und auf irgendeine Weise nicht ähnlich". W³. Tatarkiewicz | |
Rezensionen(...) Im Falle dieses Künstlers ist die kontemplative Schilderung der sowohl menschlichen als auch landschaftlichen Figuren besonders auffallend. Obwohl die Kunst von Iwo Birkenmajer keinen religiösen Charakter hat, beruft sie sich evident auf den Hauptschöpfer, Künstler, Geometer und Architekten der Welt. Sie beruft sich dadurch auf die Exegeten und Theologen der Kirche, um dem besseren Begreifen der Genesis (des 1.Buch Mosis) zu dienen. Durch das Verstehen dieser Landschaften, die der Architekt der Welt aus nichts geschaffen hat, kann man zur Entdeckung von Gott gelangen. Die transponierten Felsen vom Spitzbergen erheben sich in den Nebeln wie Gottesthrone, aus denen böse Geister vertrieben wurden und die Landschaften sind steril sauber geworden. Das Ganze wird von absoluter Stille und idealer Einheit beherrscht. Die Landschaften sind voll von Tiefe, mit vielen Bereichen, gesättigt von Tageslicht, aber nie vom Sonnenglanz bestrahlt. Sie werden immer von einem italienischen Sfumato mit einer Stimmung der weißen Nächte begleitet. Voll von Harmonie, Farben und Formen, erwarten sie die Ankunft der menschlichen Seelen. Und die Menschen ähneln bei Birkenmajer den Engeln. Die Engel sind völlig reine und göttliche Seelen. Sie bewegen sich in den kosmischen Kreisen, in einem Raum voll von Sternenstaub und goldenen Meteoren, immer in der Atmosphäre des melancholischen Glückes. Bei Iwo wird der Mensch als Mikrokosmos betrachtet, der Mensch lernt jedoch den Makrokosmos durch Selbsterkenntnis kennen. Das Verhältnis des Menschen zum Raum ist in Iwos Porträts eine Relation zu dem Weltraum oder dem Raum des verlorenen Paradieses. Es können Purgatorium - Gebiete sein, Gebiete der Verheißung, der Vertreibung und der Melancholie im Kontrast zu den Gegenden, wo die Landschaften den heiligen Bereich symbolisieren, in dem das Sacrum pulsiert. Bei den Porträts treten drei Komponenten auf: enigmatischer Raum, außerirdische Zeit, in der die Porträtierten leben und leiblich - spirituelle Materie. Das Porträt der Mutter auf goldenem Hintergrund erinnert an eine byzantinische, im Feuer des Goldes gereinigte Ikone. Von dem Porträt strahlen Erinnerungen an eine glückliche Kindheit, dass von Mutterliebe dieser intellektuell außergewöhnlicher Frau beseelt war. Das geblümte Gewand trägt noch zu Atmosphäre des Paradiesgartens bei. Der Künstler hat das bei den Mutterporträts so wichtige Motiv wie die Mutterhände nicht gezeigt. Er ließ diese bedeutende Einzelheit aus, um stark die Gestalt und die Wärme des Mutterkörpers hervorzuheben. In seinen Zeichnungen bezieht er sich auf Albrecht Dürer. Und die berühmte Gestalt der Melancholie aus dem Jahre 1514 beeinflußt deutlich die Einbildungskraft des Künstlers und tritt in der Komposition des Porträts der Tochter auf. Birkenmajer sammelt in seiner künstlerischen Feinfühligkeit, wie in einer Linse, das ganze Reichtum der Künstlereinflüsse seit dem Mittelalter bis zum schöpferischen, dekadenten Eklektizismus des 19, und 20. Jahrhunderts'. "Iwo Birkenmäfer am Ende des Jahrhunderts" | |